Die Jurte, auch Ger genannt, bietet einer mongolischen Familie schon seit fast 2000 Jahren ein flexibles Zuhause. In ihr leben Generationen unter einem Dach. Sie besteht aus vielen Einzelteilen. Angefangen mit dem Scherengitter, welches zusammen mit der traditionell bemalten Holztür die runde Grundform der Jurte bildet und zwei ebenfalls bemalte Mittelstützen, auf denen der Dachkranz befestigt ist. Die Dachstangen verbinden den Dachkranz mit den Scherengittern und so entsteht das Dach. Ein dünner Stoff, der Dachhimmel mit Bezug der Wände, wird über das ganze Konstrukt gelegt. Dicker Dachfilz (zweiteilig) und dasselbe vierteilig für die Wände dient zur Isolierung. Eine zusätzliche atmungsaktive Baumwollplane für die komplette Jurte hilft das Regenwasser abzuhalten.
Als letztes wird die Abschlusshülle, die sich über Dach und Wände legt, befestigt. Für alle Fixierungsarbeiten, z.B. Verbinden der Scherengitter, werden Seile aus Naturrosshaar verwendet. Die Jurte ist über den Dachkranz immer offen und kann lediglich mit einem weiteren Stoff, dem Abdecksegel, je nach Bedarf geschlossen werden. Das Herz jeder Jurte ist der Holzofen, der in der Mitte unter dem Dachkranz steht. Jede Jurte wird mit der Tür Richtung Süden aufgestellt, um das Tageslicht besser zu nutzen.

Die Größe jeder Jurte wird mit der Anzahl der Scherengitter beschrieben. Eine mongolische Familie hat in der Regel 5 oder 6 Scherengitter. Die 5-wandigen Jurten haben einen Durchmesser von 5,5m bzw. eine Fläche von 25m2, eine Mittelhöhe von ca. 2,4m und eine Höhe am Rand von ca. 1,55m. Mit allen Teilen wiegt die Jurte ungefähr 400kg und hat verpackt einen Umfang von ca. 2,5m3.

In einem Ger gibt es viele Verhaltensregeln. Man sollte nicht in der Tür stehen bleiben, auch nicht auf die Türschwelle treten und nicht zwischen den Mittelstützen durchgehen, weil diese die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisieren und die sonst unterbrochen werden würde. Auch das Feuer ist heilig. Es sollte darin kein Müll verbrannt und das Feuer darf nicht gelöscht werden, es muss von
selbst ausgehen. Man schläft mit den Füßen Richtung Tür. Als erstes bekommt man als Gast Suutei Tsai, Milchtee, und den Bjaslag, getrockneten Käse, angeboten. Er wird stets mit beiden Händen oder nur der rechten angenommen. Bei letzerer ist die linke Hand zur Stütze am rechten Ellbogen – ein altes Ritual, womit man zeigt, dass man keine Waffe in den Händen hält. Ein Reisender hat im besten Fall immer ein Gastgeschenk dabei. Spielzeug und Süßigkeiten für die Kinder, Wodka für die Erwachsenen werden gerne angenommen.